|
|
|
||||||||||
Auf dieser Seite findet ihr Berichte von Hilfsassistenten über ihre Arbeit, die euch bei der Frage helfen können, ob ihr euch diesen Job vorstellen könnt.
Die Arbeit als Hilfsassistent bringt einem weit mehr als nur den Assistentenlohn. Jeder weiss, wie wichtig heutzutage die Fähigkeit ist, vor einer Gruppe von Menschen souverän zu sein. Genau das lernt man als Hilfsassistent. Man steht vor einer Gruppe von Studenten, die von einem erwarten, dass man ihnen den in der Vorlesung präsentierten Stoff sinnvoll aufbereitet und sie motiviert und unterstützt, das Gelernte in den Serien anzuwenden. Dazu gehört einerseits eine gute Vorbereitung auf die Übungsstunde, zum anderen aber auch, dass man während der Stunde spontan auf anfällige Fragen antwortet und sich durch den Input der Studenten nicht aus der Ruhe bringen lässt. Die Interaktion mit den Studenten ist es auch, was einem persönlich den grössten Gewinn bringt. Schliesslich ist man oft Fragen gegenübergestellt, die man sich selbst vielleicht noch gar nie gestellt hat, die es aber durchaus wert sind, darüber nachzudenken. Das kann horizonterweiternd sein.
Das Betreuen von Mathematikübungen ist eine Arbeit, die aus zwei Teilen besteht: Erstens muss wöchentlich die eigentliche Übungsstunde gehalten werden und zweitens sind die gelösten Aufgaben der Studierenden zu korrigieren.
In der Stunde sollen die Teilnehmer vom Betreuer Hinweise für das Lösen der Aufgaben erhalten und Fragen zu Übungen und Vorlesung stellen können. Geeignete Lösungshinweise zu finden ist eine Herausforderung. Zwar liegen in der Regel Musterlösungen vor, doch es genügt nicht, diese einfach je zur Hälfte an die Tafel zu übertragen. Vielmehr muss man sich bei jeder einzelnen Aufgabe überlegen, warum sie den Studierenden überhaupt gestellt wird. Was soll gelernt werden? Und wo liegen die Schwierigkeiten der Aufgabe? Daraus sollte man Hinweise ableiten, mit denen die Studierenden in die richtige Richtung geführt werden, ohne ihnen damit den wesentlichen Kern der Lösung bereits zu verraten. Oft ist es hilfreich, mit den Studierenden statt der Aufgabe eine einfachere Variante, einen Spezialfall oder - bei einer abstrakteren Aufgabe - ein konkretes Beispiel genau zu betrachten. Weiter kann man die Aufgabe in den Vorlesungsstoff einordnen und die benötigten Begriffe kurz wiederholen. Wenn eine Aufgabe vielen Studierenden Schwierigkeiten bereitet hat, so sollte diese nach Rückgabe der Korrekturen noch einmal besprochen werden. Dazu kann zum Beispiel ein Student seine Lösung an der Tafel präsentieren. Dies wird manchmal als fester Bestandteil der Übungsstunde vom Organisator oder vom Dozent verlangt. Meistens bleibt nach Vor- und Nachbesprechung Zeit übrig. Die Studierenden schätzen es, wenn man ihnen dann individuelle Fragen beantwortet und Korrekturen erklärt.
Das Korrigieren der abgegebenen Lösungen beansprucht mehr Zeit als die Übungsstunde samt Vorbereitung. Elegante, perfekte Lösungen liest man gerne und korrigiert sie leicht und schnell. Meistens findet man jedoch kleine Formalitäten bis hin zu ganzen Argumentationen oder langen Rechnungen, die fehlerhaft sind. Setzt man dann bloss ein rotes „f“ unter die Lösung, so nützt das dem Student nichts. Vielmehr muss man angegeben, worin die Fehler bestehen, an welcher Stelle sie sich befinden und wie man sie allenfalls beheben kann. Das ist aufwändig, doch mit etwas Routine lässt es sich recht effizient erledigen.
Ein guter Betreuer muss den Stoff beherrschen, das versteht sich von selbst. Dies gilt insbesondere bei Übungen für Mathematikstudierende, denn ihnen werden anspruchsvollere und theoretischere Aufgaben gestellt.
Und nun stell dir vor, du korrigierst eine Übungsserie und du findest schon wieder diesen Fehler, den du beim selben Student in den vier Wochen zuvor jeweils angestrichen hast. Stell dir vor du stehst an der Tafel, erklärst eine Aufgabe zum dritten Mal und der Blick deiner Übungsgruppe sagt dir, dass man dich immer noch nicht versteht. Wie frustrierend! Ein guter Betreuer reagiert in solchen Fällen mit Geduld und gibt nicht auf. Das ist es, was die Studierenden brauchen! Für eine blosse Übermittlung von Tipps und Musterlösungen braucht es keine Übungsstunde, denn dazu eignen sich Papier oder pdf besser.
Jedes Mal, wenn ich vor einer neuen Übungsgruppe stehe, kommt wieder die Nervosität – egal wieviele Übungsstunden ich schon die letzten Semester geleitet hatte. Einfach das Gefühl, dass 20 Leute in einem Zimmer sitzen, alle mir zuhören, während ich versuche, etwas zu erklären, ist gewöhnungbedürftig. Nach ein paar Wochen aber ist die Nervosität ganz weg, man kennt die Namen der Studierenden und fühlt sich vor der grossen, schwarzen Wandtafel ganz wohl.
Eins ist und bleibt immer mühsam (und da sind sich so ziemlich alle Assis einig): das Korrigieren. Da ist es mir ein paar mal passiert, dass ich ewig an einem Tisch gesessen bin, während die nette Dame aus dem Polysnack versucht hat, mich endlich rauszuschmeissen, während ich die Aufgabe mit der Musterlösung verglichen habe und ein paar Mal „Wa macht denn dä??“ ausrufen musste. Schlussendlich ist aber der Fehler auffindbar, und man darf ihn mit einem dicken „F“ markieren – eine grosse Genugtuung!
Was auch besonders erfreulich ist, wenn man z.B. Ingenieuren Assistenz gibt, dass man plötzlich etliche Anwendungen der hart erlernten Basisjahr-Theorie sieht. Themen, welche ich selber damals als eher kompliziert und abstrakt empfunden hatte, schienen auf ein Mal äusserst praktisch und eigentlich auch trivial.
Natürlich muss man sich bewusst sein, dass wenn man eine Assistenz annimmt, die Übungsstunde ein fixer Termin in der Agenda ist. Also egal ob es nun stürmt, die Skipisten neu eröffnet sind, die Sonne lacht, es 30°C draussen sind, oder man ganz einfach im Stuz war am Abend zuvor: Viertel ab sollte man sich im Zimmer befinden und mit einem Lächeln die Übungsstunde starten (keine Angst, das Lächeln steht nicht im Arbeitsvertrag, hat dennoch positive Auswirkungen auf die Evaluation :) ). Aber ganz ehrlich: das nehme ich gerne in Kauf, wenn dann jemand, nach etlichen Versuchen meinerseits, ihm etwas zu erklären, plötzlich ausruft: „AHA, jetzt bögg ichs!!!“
Wichtiger Hinweis:
Diese Website wird in älteren Versionen von Netscape ohne
graphische Elemente dargestellt. Die Funktionalität der
Website ist aber trotzdem gewährleistet. Wenn Sie diese
Website regelmässig benutzen, empfehlen wir Ihnen, auf
Ihrem Computer einen aktuellen Browser zu installieren. Weitere
Informationen finden Sie auf
folgender
Seite.
Important Note:
The content in this site is accessible to any browser or
Internet device, however, some graphics will display correctly
only in the newer versions of Netscape. To get the most out of
our site we suggest you upgrade to a newer browser.
More
information